Open-BIM lebt von Collaboration – und braucht einen nationalen Akt!

Ein Kommentar: Nach Stufenplan „Digitales Planen und Bauen 2015“ jetzt den 2. Impuls geben

Seit der Publikation des „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ durch das BMVI und dessen Hervorhebung von Building Information Modeling als bedeutende Methode für die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft sind bald drei Jahre vergangen. Da waren die Anstrengungen der beteiligten Branchen für ein durchgängiges und digitales Datenmanagement allerdings bereits langjährig und intensiv – übrigens auch im Betreiben. Immobilien Lebenszyklusmanagement gerade mit Blick auf den Einsatz von IT oder Integrale Planung hinsichtlich der Methode sind ja alles andere als neu. Sehr viele deutsche IT- und Produktanbieter, Consultingfirmen und Dienstleistungsunternehmen verfügen über exzellente Kompetenz mit erstklassigen Lösungen und bewährten Methoden, wo es um das Lösen von Herausforderungen und das Herbeiführen des Nutzens für Anwender und Kunden durch Datendigitalisierung geht – seit über 20 Jahren. Und der politisch aufgegriffene Impuls ging letztlich ja aus der Mitte der zu Verbänden organisierten Branchen mit ihren engagierten Unternehmen und Mitgliedern hervor. Wohl gerade auch deshalb konnte der seinerzeitige Impuls des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur etwas sehr Grundlegendes ändern: Die Bereitschaft zur  Kommunikation zwischen den an der Planung, der Realisierung und dem Betrieb von Immobilien und technischen Anlagen Beteiligten – mit dem Willen zu einer neuen, einer phasenübergreifenden und interdisziplinären Perspektive. Verbände und Regierung haben im Herbst 2015 gewissermaßen das Lagerfeuer angezündet, um das sich seitdem der Austausch zwischen den Marktteilnehmern dreht: BIM ist der Begriff, das Symbol. BIM schürt das Feuer – auch wenn damit nur ein Teilaspekt des Transfers in die Digitalisierung umfasst wird.

„Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden“, so die Formel aus dem Stufenplan. Und diese erforderliche Kultur der Kooperation, des Austausches – fachlich und persönlich  –  die hat sich unübersehbar geändert: Im ganzen Land sind seither neue Treffen, Cluster, Plattformen und Messen entstanden, während andere aus den Veranstaltungskalendern verschwinden. Auch die Landschaft der Fachmedien als fokussierter Spiegel des Marktgeschehens hat sich bereits mehr verändert, als von vielen bemerkt: Neue Zeitungstitel erscheinen, neue BIM-Info-Portale wurden eröffnet und die Redaktionen stellen sich neu auf. Zudem haben sich Branchenteilnehmer zu neuen Vereine zusammengefunden – zum Teil mit enormen Mitgliederzuwachs. Im Ergebnis zeigt sich: Man ist bereit zur Collaboration – und das unter neuem Blickwinkel. Das Verständnis für die Herausforderungen der anderen wächst, die Bereitschaft voneinander zu lernen, hat zugenommen, und immer öfter wird von Ende des Projektes her gedacht – das Ganze gesehen. Natürlich sind es die technologischen und kaufmännischen Fakten, die den Druck auch auf politische Entscheidung und betroffene Unternehmen und öffentliche Verwaltungen verstärkten: BIG Data mit neuen Analysemöglichkeiten, IoT und zunehmend auch KI und Robotik oder Sensorik eröffnen nicht nur neue Möglichkeiten, sondern schüren auch den nationalen und internationalen Wettbewerb, den Handlungsdruck in den Unternehmen.

Der Begriff der Disruption macht die Runde und die Branchen sind in Aufruhr. Wo sind die mit BIM geplanten und realisierten Projekte? Und wird das alte Leid der Intransparenz nun geheilt?  

Doch „BIM“ als solide Währung für erhöhte Aufmerksamkeit ist inflationär und verliert bereits wieder das Vertrauen der Anleger. Denn wo sind die Ergebnisse? Ein Investor, Eigentümer oder Bauherr, der sich heute fragt, was ihm der Einsatz und die Kosten von und für Building Information Modelling bei Neu- oder Umbauten konkret nutzen, bekommt zwar gut begründet eine ganze Reihe trefflicher Argumente. Das WAS und sein Potenzial sind völlig unstrittig. Fragt er hingegen nach dem WIE und dann auch noch nach Referenzen, nach auf sein Vorhaben zutreffende Beispiele aus der Praxis, dann wird es eng – und leiser. Wo sind die Projekte mit Erfahrungen aus der Praxis? Wer sagt ihm verbindlich, wann, in welcher Detailtiefe und in welchem Format die angeforderten Daten geliefert werden sollen, damit er als Auftraggeber auf der Grundlage dieser Daten ggf. notwendige Entscheidungen fällen kann. Findet er für seine Projekte die ausführenden Unternehmen, die der Methode mächtig sind und rechtzeitig das Erforderliche liefern? Wird er auch künftig Herr „seiner“ Daten bleiben, bzw. endlich werden? Wird nun das alte und vielfach gewollte Leid der Intransparenz geheilt? Passen die neu aus dem Boden sprießenden und smarten IT-Lösungen für Teilprozesse auch künftig zusammen? Wer weiß, ob und wie am Ende das Ganze funktioniert? Kann die Zukunft des Betreibens tatsächlich schon in der Planung dank BIM vorweggenommen werden? Was ist begeistere Vision, was betreibersichere Realität?

Dort, wo Bauherren, Eigentümer und Betreiber schließlich fündig werden, treffen sie auf Unternehmen und Institute, die ihre Produktstrategie und die Methoden Ihres Consultings auf standardisierte Prozessmodelle und Datenstandards ausgerichtet haben. Denn der Schlüssel für den erfolgreichen Einsatz von BIM und – auch ganz unabhängig von einem 3-, 4-oder 5D-Modell – für die Digitalisierung in der Bau- und Immobilienwirtschaft liegt in der gemeinsamen Projekt- bzw. Datensprache. Und diese setzt auf der einen Seite eine kollaborative – sprich transparente – Kultur der Beteiligten voraus – und auf der anderen Seite einen absprachefreien Austausch der für sein Projekt relevanten digitalen Daten, bzw. den der diese verarbeitenden IT-Systeme. Nicht hoch genug ist daher der vielfache und übrigens nicht selten auch ehrenamtliche Einsatz einer ganzen Heerschar von Jenen zu schätzen, die sich etwa in einem VDI und einem DIN bis hin dann eben auch zu CEN und ISO exakt dafür einsetzen, als Einzelunternehmen oder eben auch organisiert; über jene Verbände, die sich manchmal nach außen als Wettbewerber sehen, sich aber immer nach innen aus im Wettbewerb stehenden Firmen und Mitgliedern zusammensetzen. Denn selbst hier hält eine kollaborative Kultur Einzug, wie etwa die Beispiele des vom RING initiierten BIM Roundtable Gebäudebetrieb mit buildingSMART, bauen.planen. 4.0, BTGA, FM-Austria, GEFMA, RealFM oder einer gemeinsamen Roadshow zu „BIM in Gebäudebetrieb und FM: the state of the art“ mit zusätzlicher Beteiligung von Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum planen bauen zeigen.

Im Zwischenergebnis und mit einem Blick auf BIM im Herbst 2018 lässt sich für Planen und Bauen in der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft sagen: Ja, der „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ hat einen ersten, maßgeblichen und konstruktiven Impuls in die relevanten Branchen gegeben. Und darüber hinaus übrigens auch für den Gebäudebetrieb: Denn trotz florierenden Wohnungs-Neubaus wird in Deutschland vor allem aus dem Bestand heraus neu- und um-geplant, mit allen daraus hervorgehenden Potenzialen von BIM und eines durchgängigen standardisierten digitalen Datenmanagements für Betrieb und Facility Management: Die Stichworte sind: FM-gerechtes Planen und Datentransparenz bei Übernahme in den Betrieb sowie Regelkonformität/Compliance. Heute wissen alle, worum es geht und was zu tun wäre – aber eben nicht wie!

Den „Einen“ Standard wird es nicht geben. Die Branche braucht jetzt Muster, Empfehlungen und Beispiele – einen 2. Impuls der Bundesregierung!

Es fehlt nicht an durchgehenden und standardisierten Prozessmodellen. Und Standards für den digitalen Datenaustausch stehen in verschiedener Tiefe und Breite auf Basis der nationalen und internationalen Abstimmungen bereits jetzt zur Verfügung. So entwickelt ja etwa der Branchenverband für die Digitalisierung im Immobilienbetrieb, CAFM RING e.V. kooperierend mit buildingSMART, FM-Austria, GEFMA, planen.bauen4.0, RealFM sowie Fachorganisationen und Instituten, wie der FKT oder dem BIM-Institut Wuppertal, den Standard CAFM-Connect auf Basis von IFC aus Sicht Gebäudebetrieb weiter und stellt diesen kostenfrei der Branche zur Verfügung. Hier beteiligen sich Unternehmen und öffentliche Verwaltungen an der weiteren Definition von ihren anwendertypisch-standardisierten Anwendungsfällen, den BIM-Profilen. Anbieter von Software, Consulting und Produkten wirken mit, die ihrerseits mit eigenen Modellen und Standards BIM-Projekte bereits planen oder auch umgesetzt haben. Sie setzen auf vernetzte bzw. kompatible Software und Beratungsmethoden, die das ‚Daten-Rad‘ nicht jedes Mal neu erfinden – im Sinne von Open BIM. Und sie werden dabei flankiert von einer diesen bedeutenden Aspekt ebenfalls propagierenden BIM World MUNICH oder einer BIMconvention Aachen, um zwei Beispiele zu nennen.

Das und die vielen weiteren wettbewerbsübergreifenden Initiativen aber reichen nicht, um dem 1. Impuls aus dem Herbst 2015 Nachdruck zu verleihen. Denn im Herbst 2018 wissen viele Entscheider trotz besten Willens noch immer nicht, wie sie in eine standarisierte Digitalisierung ihrer Neu- und Umbauprojekte einsteigen sollen. Deswegen braucht die Bau- und Immobilienbranche den 2. Impuls einer Bundesregierung! Keine neuen Gesetze, keine wettbewerbsverzerrenden Subventionen sind jetzt  erforderlich – bis die formuliert, umgesetzt und angewendet sind, ist der Digitalisierungszug längst abgefahren.  Aber gut sichtbare ‚Leitplanken‘, realistische Empfehlungen für nutzerspezifische Standards von Prozess- und Datenmodellen. Beispielprojekte, mit denen der Bund und die Länder selber vorangehen. Damit würden Orientierung, Entscheidungssicherheit und Wissenstransfer geschaffen, und somit eine Beschleunigung auf dem Weg zur Transformation in die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft in Deutschland. Der Einsatz einer Staatsministerin im Bundeskanzleramt bietet dafür bereits eine großartige Voraussetzung! Nun käme es aber darauf an, dass auch die relevanten Ministerien und die die Regierung stellenden Parteien diesen 2. Impuls unterstützten – kollaborativ. So, wie es die ebenfalls im Wettbewerb stehenden Unternehmen, Verbände und Institutionen bereits vormachen. Der wettbewerbsorientierte Markt braucht keinen Eingriff. Er braucht Beispiele und Muster, gut dokumentierte Leuchtturmprojekte – einen nationalen Akt – einen Impuls: Jetzt!


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